Stilbeschreibung
Ich sehe meine künstlerischen Aktivitäten im Zusammenhang mit einer Zielvorstellung, welche wohl der italienische Poet Giacomo Leopardi im Kern trifft: Er spricht bezüglich seines Anspruches, was ein Gedicht bewirken soll, vom "Durchatmen der Seele". Das schließt für mich eine hochkonzentrierte und untrennbare Verknüpfung zwischen Emotionalität und Kognition ein. Diesem Anspruch gemäß erklärt sich eine Tonsprache, die der Postmoderne nahe steht, die weder tonal noch atonal ist und die ich seit kurzem als metatonal bezeichne, weil sie versucht, eine erhöhte Ebene über diesen beiden zu erreichen. Ich verstehe darin eine Versöhnung zwischen Tonalität und Atonalität und fand meine eigenen Gesetzmäßigkeiten, welche ich aber auch lustvoll immer wieder zu brechen gedenke, um dem Dogma zu entgehen, das die Atemwege der Seele blockieren könnte, wenn es die Oberhand gewänne. Letztlich versuche ich Musik zu schreiben, die mir selbst gefällt und nur so gelangt sie an die Öffentlichkeit. Mein Atem muss lange genug sein, damit das Auditorium seelisch auf neuen Wegen durchatmen kann. Neben der herkömmlichen Notationsweise verwende ich vor allem Techniken der Aleatorik, des Bruitismus und bin immer wieder, vom Jazz inspiriert, an Formen der Improvisation interessiert, die ich versuche fruchtbringend in meine Kompositionen einfließen zu lassen.
Michael Wahlmüller, 2007